von Katharina Ratzberger
KMU-Erfolgsstory: Renate Tichy, MBA

Masterthesis: „Der Einfluss der nationalen und internationalen Regulierungen auf die Branche der Finanzdienstleister in Österreich“

 

 

 

F: Sie haben sich fūr ein MBA-Studium entschieden, was war der Auslöser?

 

 

 

A: Mir war es wichtig, einmal eine Bestandsaufnahme meines erworbenen Wissens, welches ich mir im beruflichen Alltag erarbeitet habe, zu machen. Natürlich wollte ich auch weiterlernen. Diese Art des Fernstudiums war die einzige Möglichkeit für mich nebenberuflich den Master zu machen. Auch der akademische Titel war ein Anreiz. Gerade in Österreich steigen mit Titel die Chancen enorm.

 

F: Was machen Sie beruflich?

 

A: Ich bin Prokuristin bei einem Finanzdienstleister, ursprünglich war ich im Bereich Kundenbetreuung tätig. Das hat sich dann aber weiterentwickelt; derzeit zählen die Finanzen, das Personalwesen und das Back-Office zu meinen Aufgabengebieten.

 

F. Wie war die Reaktion in Ihrem Unternehmen, als Sie sich für das Studium entschieden haben?

 

A: Grundsätzlich positiv, wichtig war nur, dass es durch das Studium zu keinen Einschränkungen oder einer Behinderung meiner Tätigkeit kommt. Aber das konnte ich mit meinen Urlaubstagen gut lösen. Diese nahm ich mir in den intensiven Lernphasen vor Prüfungen und für die Prüfungen selbst.

 

F: Wieder zu lernen, wie war der Einstieg?

 

A: Nun, damit hatte ich überhaupt keine Probleme. Ich habe laufend Fort- und Ausbildungen gemacht und somit gab es diesen langen Break nicht. Auch beruflich muss ich mich permanent weiterbilden und am Ball bleiben, gerade in meiner Branche gibt es fast täglich Veränderungen und neue Herausforderungen.

 

F: Aber ein Fernstudium, die virtuelle Welt.....

 

A: Nach kleinen Anfangsschwierigkeiten bin ich da sehr schnell hineingewachsen. Zuerst fehlte der direkte Ansprechpartner, aber die Vorteile dieses Fernstudiums sind enorm und für mich hätte sich kein anderes Studium mit Präsenzunterricht realisieren lassen. Die Flexibilität des Studiums ist genial. Ein universitärer Regelbetrieb ist nicht machbar. Ich hatte bei der Anmeldung noch keine Vorstellung davon, wie flexibel es ist und, wie gut es mit dem Berufs- und Privatleben vereinbar ist. Das soll nun nicht bedeuten, dass nichts zu Lernen wäre, aber durch die Möglichkeit der freien Zeiteinteilung lässt sich das Studium verwirklichen. Natürlich liegt es schlussendlich an der Persönlichkeit, an der Konsequenz und an der persönlichen Motivation, aber, was man will, schafft man auch.

 

F: Die Prüfungen finden dann ja vor Ort und sozusagen „präsent“ statt, immer gleich durchgekommen?

 

A: Das Fantastische daran war, dass ich selbst den Zeitpunkt und das Prüfungsthema bestimmen konnte. Nichts ist fremdbestimmt, sondern geschieht in Eigenverantwortung und Eigenentscheidung. Das heißt, ich konnte mir einteilen, wann ich was mache, wie viel Zeit ich dafür brauche, wie ich lerne. Bei mir hat es immer geklappt, ich war auch so ehrgeizig und wollte die möglichen ECTS pro Semester auszunützen, um möglichst schnell fertig zu werden. Eine Fertigkeit empfiehlt sich für das Studium, nämlich Management –und Zeitmanagementqualitäten.

 

F: Bei den Prüfungen gibt es doch recht unmittelbar ein Feedback, eine Benotung. Dann kommt der Abschnitt der Masterthesis - Wissenschaftliches Arbeiten, wie ging es Ihnen dabei?

 

A: Die Schwierigkeit lag mit Sicherheit in der Themenfindung. Welches Thema passt für mich, für das Studium und vor allem, womit kann ich auch beruflich etwas anfangen? Das hat natürlich Charme, das Thema selbst wählen zu können und somit auch in der Praxis davon zu profitieren bzw. die eigenen praktischen Erfahrungen einbringen zu können. Ich habe dann nächtelang durchgeschrieben, bin zur Uni gefahren und habe mir Bücher geliehen, wieder zurückgebracht, neue geholt usw.. Wobei ich sagen muss, ich hatte wirklich Glück. Es gab keine Störfunktionen, weder beruflich noch privat. Keine krankheitsbedingten Ausfälle, keine Probleme in meinem Beruf, alles lief perfekt. Das hätte natürlich auch anders sein können und es freut mich sehr, dass alles gut geklappt hat.

 

F: Welches Thema haben Sie für ihre Masterthesis gewählt?

 

A: Compliance in Österreich war die Ausgangssituation, ich habe mich dann aber umorientiert und mich mit der Branche der Finanzdienstleister in Österreich beschäftigt. Die Branche durchleuchtet, inklusive der Bankenkrise, von der die Finanzdienstleister ebenfalls betroffen waren, wie auch viele KMUs. Welche Rolle spielen internationale Vorgaben oder die EU-Regulative, was war wirklich der Auslöser für die Wirtschaftskrise? Ich habe selbst miterlebt, mit welchen gesetzlichen oder aufsichtsrechtlichen Anforderungen kleine und mittlere Unternehmen konfrontiert sind, wie es schaffbar ist – oder nicht, habe ich mir in meiner MT genau angeschaut. Meine Frage galt dem ‚Beinahe-Zusammenbruch‘ der Branche der Finanzdienstleister. Die Compliancevorschriften auf gesetzlicher Ebene habe ich ebenso eingearbeitet, wie auch die individuellen Auswirkungen auf Klein- und Mittelbetriebe. Dazu auch Interviews mit Verantwortlichen und Betroffenen, Aussagen der Finanzmarktaufsicht eingearbeitet uvm..

 

F: Hat sich Ihre ursprüngliche These, mit der Sie an die Arbeit herangegangen sind, bestätigt?

 

A: Nicht unbedingt! Nicht die Krise, wie ich es eigentlich vermutet hatte, führte zur Lädierung unserer Branche, sondern die derzeit herrschende Überregulierung.

 

F: Das heißt, Sie kamen auch zu neuen Erkenntnissen.

 

A: Ja, und damit habe ich beruflich auch täglich zu tun. Wie können wir KMUs unterstützen, was ist aufgrund der Ressourcen machbar, kann man Parameter ändern oder an Schrauben drehen.... Eines ist klar, die Vorschreibungen und gesetzlichen Bestimmungen werden immer enger und immer mehr und durch mein Wissen, welches ich mir beim Studium angeeignet habe, kann ich jetzt viele Entscheidungen im Unternehmen mit beeinflussen und mittragen.

 

F: Sie sind verheiratet, haben eine Tochter, somit kam es für sie zur Herausforderung, Familie, Beruf und Studium zu vereinbaren.

 

A: Da ist natürlich Toleranz und Unterstützung von der Familie gefragt. Als ich an der Masterthesis saß, maturierte meine Tochter. Wir beide waren wohl etwas angespannter als sonst und brauchten auch mehr Freiraum. Mein Mann betreute uns im Endspurt wunderbar und eilte mit Obsttellern von Zimmer zu Zimmer, um seine „Lernenden“ mit Vitaminen zu stärken. Eine funktionierende Beziehung und die mentale Unterstützung der Familie waren für mich schon sehr wichtig. Ich habe zwar viele Urlaubstage fürs Studium verwendet, trotzdem gab es aber einen Familienurlaub. Es ist reine Zeiteinteilung und wir Frauen haben ja grundsätzlich gute Managementqualitäten, die wir im täglichen Leben ohnehin unter Beweis stellen. Nicht nur in Ausnahmesituationen und dazu zählt das Studium ganz sicher.

 

F: Gab es auch Durchhänger und die Frage nach der Sinnhaftigkeit?

 

A: Nicht wirklich. Wenn ich eine Entscheidung treffe, dann ziehe ich sie auch durch und negativen Gedanken gab ich keinen Raum.

 

F: Jetzt, einige Monate nach dem Abschluss - ist Ihnen fad?

 

A: Offengestanden JA, diese plötzliche Freizeit die neben meinem Beruf noch bleibt. Ich merke, es gibt noch Potential für weiteres, welche Tür auch immer aufgeht. Lebenslanges Lernen wird mich immer begleiten.

 

F: Die Belohnung nach dem Abschluss?

 

A: Meinen Titel habe ich in den Pass eintragen lassen (lacht). Aber das war natürlich nicht alles. Schon zu Beginn des Studiums war mein Ziel, die bestandene Matura unserer Tochter gemeinsam mit meinem Masterabschluss zu feiern. Es war ein großartiges Fest! Auch für meine Tochter und deren Freunde war es spannend mitzuerleben, dass man auch als Elternteil noch studieren kann und vielleicht wurde ihnen dadurch auch bewusst, wie viele Chancen und Möglichkeiten sie heute haben. Ich habe mir selber bewiesen, es schaffen zu können, ich habe es gemacht, ich habe es durchgezogen und wer weiß, was noch auf mich zukommt.

 

Renate Tichy, MBA, Prokuristin, 54 Jahre   

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