von KMU Akademie
„CRITICAL THINKING“ – eine wichtige Aufgabenstellung für Studierende der Middlesex University / KMU Akademie & Management AG

In der Wissenschaft gibt es diverse Werkzeuge und Methoden, die im Zusammenspiel wirken, für neue Erkenntnisse sorgen und auch Kontroversen erzeugen können, wie auch die Anwendung des Critical Thinking. Übersetzt bedeutet Critical Thinking das „reflektiert-hinterfragende Denken“, also eine differenzierte Betrachtung, Analyse und ausgewogene Entscheidungsbildung. So verstanden ist Critical Thinking ein unabdingbarer Teil wissenschaftlichen Arbeitens im Studium und auch im beruflichen Kontext. Beides verbindet die Herausforderung, komplexe Sachverhalte zu verstehen, Lösungen zu entwickeln und die Umsetzung zu gestalten.

Eine Expertin für diesen Themenbereich ist die Dozentin Frau Dipl-Psych. Dagmar Diergarten, sie hat für die Studierenden an der Middlesex University / KMU Akademie eine Vorlesung zu diesem Thema gestaltet und wir sprachen mit ihr über „Critical Thinking“.

 

Frau Diergarten, was bedeutet Critical Thinking, also „reflektiert-hinterfragend“, genau?

​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​„Reflektiert meint „über etwas in Ruhe nachdenken, sich etwas bewusst machen“. Beispiel Literaturanalyse – interessant erscheinende Befunde durchdenken: Was ist der empirische Gehalt? Welchen Geltungsbereich kann eine Publikation abdecken?

Hinterfragendes Denken sucht Antworten auf die Frage „Ist das wirklich so?“ Eine Publikation, die vor 15 Jahren veröffentlicht wurde, muss im Kontext des Entstehens gesehen werden. Es gilt zu prüfen, wie die Gültigkeit der Befunde zu sehen ist. Letztlich muss man der Wissenschaft zugestehen, dass sie heute schlauer ist als gestern.

Critical Thinking eröffnet zudem die Perspektive, fake news zu entlarven. Das Auseinanderhalten von Annahmen und Tatsachen, das Hinterfragen von Statements und Behauptungen gibt eine differenzierte Sicht auf die Dinge.“

 

Wie wird in den Studienprogrammen der Middlesex University / KMU Akademie Critical Thinking gefördert?

„Wir nutzen verschiedene Ansätze. Einer davon ist die Vorlesung zur Vertiefung des Themas. Diese drei Schwerpunkte habe ich dafür aufgegriffen:

  1. Definitorisches Know-how schafft Klarheit im Sinne von „worüber reden wir“, „was ist wichtig“.
  2. Ein Kapitel zu Critical Thinking im Studienkontext bietet Infos zu Literaturrecherche und -analyse sowie ein Vorgehensmodell für die Umsetzung.
  3. Dann vertiefen wir die Möglichkeiten von Critical Thinking im Unternehmenskontext. Beispiel: „Questioning the Status Quo“ ist ohne reflexives Hinterfragen nicht machbar.

In Ergänzung zur Vorlesung sind Aufgabenstellungen bei einer Reihe von Prüfungen so gehalten, sich mit dem Aussagegehalt von Wissenschaft auseinander zu setzen, eine differenzierte Sichtweise einzunehmen und zu beschreiben. Beispiele sind Reflexionsaufgaben und Fallstudien.

Die Botschaft ist: Critical Thinking ist weder vergängliche Modeerscheinung noch buzzword. Es ist vielmehr eine Bereicherung der eigenen Sicht auf die Dinge mit dem Ziel differenzierter Urteilsbildung.

Meine persönliche Sicht ist geprägt durch 35 Berufsjahre: Critical Thinking ist nicht nur Denken, sondern die Haltung, in einem komplexen Umfeld dem Wesentlichen nachzuspüren, Fern- und Folgewirkungen im Blick zu haben und dies bisweilen neu zu justieren.“

 

Was empfehlen Sie Studierenden, die von Critical Thinking noch nicht überzeugt sind?

„Nach meiner Erfahrung gibt es drei Hemmschwellen

  1. „Critical Thinking ist mir zu zeitintensiv“
    Trifft bedingt zu. Wenn die zu klärenden Fragen klar sind, liegen die next steps auf der Hand. Sollte dies bedeuten, dass die Literarturrecherche ausgeweitet werden muss, ist das gut investierte Zeit.
  2. „Warum soll ich wissenschaftliche Befunde/Publikationen anzweifeln?“
    Auch Zweifel sind eine Quelle von Erkenntnis. Etwas in Zweifel zu ziehen meint, dem Wahrheitsgehalt nachzugehen: Sind Befunde schlüssig und nachvollziehbar? Sind sie relevant? Wenn ja – wofür?
  3. „Das Risiko mit dem Hinterfragen falsch zu liegen, ist mir zu groß“
    Ja, kann passieren. Allerdings ist Hinterfragen für die eigene Lernkurve besser, als Bestehendes unkritisch zu übernehmen. Das kann auch zu unerwünschten Resultaten führen.

​​​​​​​Mein Fazit ist einfach: Denken hilft und Erkenntnisgewinn motiviert. Wenn dann noch Neugier für Neues hinzukommt, entsteht ein erfolgversprechendes Trio als tragfähige Basis für künftige Herausforderungen.“

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