Mit seiner Dissertation an der Middlesex University und der anschließenden Buchveröffentlichung bei Springer Gabler setzt Dr. Philipp Meyer neue Impulse für agile Arbeitsorganisation in der Intralogistik.
Mit der Veröffentlichung seiner Dissertation als Fachbuch im Springer Gabler Verlag hat Dr. Philipp Meyer einen wichtigen Beitrag zur aktuellen Diskussion über Agilität in der Intralogistik geleistet. Der Unternehmer, Hochschuldozent und Forscher absolvierte sein Doktoratsstudium an der Middlesex University London in Kooperation mit der KMU Akademie und erhielt im März 2026 den Titel Doctor of Business Administration (DBA/Dr.).
Seine wissenschaftliche Arbeit entstand nicht im Elfenbeinturm, sondern aus jahrzehntelanger Erfahrung in führenden Funktionen international tätiger Industrie- und Handelsunternehmen. Heute verbindet Dr. Meyer Forschung, Beratung und Lehre und widmet sich insbesondere der Frage, wie Unternehmen ihre Reaktionsfähigkeit in der Intralogistik stärken können. Im Zentrum seiner Forschung steht dabei ein Ansatz, den er als „Blue-Collar-Agility“ bezeichnet – eine Form der Agilität, die konsequent aus der Perspektive der Mitarbeitenden auf dem Shopfloor gedacht wird.
Im Gespräch gibt Dr. Philipp Meyer Einblicke in seinen beruflichen Werdegang, die Entstehung seiner Dissertation und die Erkenntnisse, die er aus sieben Jahren berufsbegleitender Forschung gewonnen hat.
Herr Dr. Meyer, erzählen Sie uns bitte etwas über Ihren beruflichen Werdegang.
„Mein Werdegang hat sich konsequent an der Schnittstelle von Logistik und Wissenschaft entwickelt. Über rund 25 Jahre hinweg habe ich Führungs-, Transformations- und Budgetverantwortung in national und international tätigen Industrie- und Handelsunternehmen übernommen, unter anderem bei der damaligen JOWA AG der Migros-Gruppe sowie bei F. Hoffmann-La Roche AG. Dort war ich zunächst Leiter Export und später Module Lead Global Transport Management.
Parallel dazu habe ich meinen akademischen Weg kontinuierlich ausgebaut – von Aus- und Weiterbildungen im Bereich Logistik und Supply Chain Management über ein Bachelor- und Masterstudium bis hin zum Doctor of Business Administration der Middlesex University London. Heute leite ich die Quin Consulting GmbH und verbinde Forschung, Beratung und Lehre. An der Fernfachhochschule Schweiz verantworte ich den Fachbereich Unternehmensführung und arbeite zudem als Senior Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Qualitätssicherung Forschungsmethoden.“
Das Interesse an der Intralogistik wurde bei Dr. Meyer vor allem durch die praktische Arbeit in unterschiedlichen Branchen geprägt. Von Pharma und Lebensmittel über Glas bis hin zur Papierindustrie erlebte er die Herausforderungen moderner Logistikprozesse aus nächster Nähe.
Welche Erfahrungen haben Ihr Interesse an der Intralogistik besonders geprägt?
„Die entscheidende Erkenntnis entstand während meiner Zeit bei Roche. Dort habe ich erlebt, wie tiefgreifende Veränderungen der Arbeitsorganisation ablaufen und wie die Einführung neuer Logistiksysteme parallel zur COVID-19-Pandemie bewältigt werden musste. Dabei wurde deutlich, dass operative Reaktionsfähigkeit nicht allein durch Technologien entsteht, sondern wesentlich von den Menschen abhängt, die mit diesen Systemen arbeiten.“
Für die Wahl des Promotionsprogramms hatte Dr. Meyer klare Kriterien.
Was hat Sie dazu motiviert, Ihr Doktoratsstudium an der Middlesex University / KMU Akademie zu absolvieren?
„Für mich musste ein Doktoratsstudium berufsbegleitend machbar, international akkreditiert und gleichzeitig wissenschaftlich anspruchsvoll sein. Die Kooperation zwischen der KMU Akademie und der Middlesex University London hat genau diese Kombination geboten. Besonders wertvoll war die Möglichkeit, meine berufliche Tätigkeit weiterzuführen und gleichzeitig in einem strukturierten Forschungsumfeld zu arbeiten.“
Im Mittelpunkt der Dissertation steht die Frage, wie Agilität in einer Umgebung funktionieren kann, die sich deutlich von klassischen Wissensarbeitskontexten unterscheidet.
Wie entstand die Idee zu Ihrem Forschungsthema „Agile Arbeitsorganisation in der Intralogistik“?
„In der wissenschaftlichen Literatur wird Agilität fast ausschließlich für Wissensarbeit betrachtet – etwa in der Softwareentwicklung oder im Projektmanagement. Für die physisch geprägte Arbeitswelt der Intralogistik fehlten jedoch passende Konzepte. Daraus entstand die Idee, Agilität aus der Perspektive der Mitarbeitenden auf dem Shopfloor zu untersuchen.“
Aus dieser Forschung entwickelte sich der Ansatz der „Blue-Collar-Agility“, der Agilität nicht als reines IT- oder Managementkonzept versteht, sondern als menschenzentrierte Antwort auf die Herausforderungen moderner Logistikarbeit.
Die zentrale Forschungsfrage lautete, wie sich die Reaktionsfähigkeit in der Intralogistik verbessern lässt – und zwar nicht primär durch neue Technologien.
Welche Herausforderungen standen dabei besonders im Mittelpunkt?
Drei Erkenntnisse erwiesen sich basierend auf qualitativen Experteninterviews mit Fach- und Führungskräften aus Industrie- und Handelsunternehmen als besonders bedeutsam:
Erfahrungswissen der Mitarbeitenden ist eine strategische Ressource.
Eine gelebte Fehlerkultur bildet die Grundlage erfolgreicher agiler Arbeitsweisen.
Einfache und praxistaugliche Werkzeuge entfalten oft mehr Wirkung als komplexe Frameworks, sofern sie kulturell verankert werden.
Inwiefern konnten Sie Ihre Praxiserfahrungen in die wissenschaftliche Arbeit einfließen lassen?
„Mein langjähriger Praxisbezug war ein großer Vorteil. Er ermöglichte es mir, Interviews auf Augenhöhe zu führen und die Sprache sowie die Herausforderungen der Mitarbeitenden in der Intralogistik wirklich zu verstehen. Gleichzeitig hat die wissenschaftliche Arbeit meine Beratungspraxis verändert. Heute arbeite ich deutlich stärker hypothesengeleitet und entwickle kontextspezifische Lösungen statt allgemeiner Patentrezepte.“
Die Ergebnisse der Dissertation wurden inzwischen in Buchform veröffentlicht und einem breiteren Publikum zugänglich gemacht.
Welche Bedeutung hatte die Veröffentlichung als Fachbuch für Sie?
„Eine Dissertation wird meist nur von wenigen Personen gelesen. Ein Fachbuch erreicht hingegen Führungskräfte, Hochschulen und Logistikverantwortliche im gesamten deutschsprachigen Raum. Deshalb war es mir wichtig, die Inhalte praxisnah aufzubereiten.“
Besonderes Augenmerk legte Dr. Meyer dabei auf die Umsetzbarkeit. Das Buch enthält unter anderem eine sogenannte Responsiveness-Toolbox mit konkreten Methoden und Instrumenten für Unternehmen.
Welche Kompetenzen haben Sie aus dieser Zeit besonders mitgenommen?
„Vor allem methodische Disziplin und intellektuelle Demut. Wissenschaft bedeutet, eigene Annahmen immer wieder zu hinterfragen und sich von empirischen Ergebnissen korrigieren zu lassen. Gleichzeitig verlangt ein langfristiges Forschungsprojekt neben Beruf und Familie ein hohes Maß an Selbstführung und Priorisierung.“
Welche Rolle spielen Forschung und lebenslanges Lernen heute für Sie?
„Wissenschaftliches Arbeiten ist für mich vor allem eine Haltung. Es bedeutet, Annahmen offen zu legen, Evidenz zu suchen und bereit zu sein, dazuzulernen. Deshalb engagiere ich mich weiterhin in Forschungsprojekten, arbeite an einer Systematic Literature Review zur Blue-Collar-Agility und bereite gemeinsam mit einem Co-Autor ein Design-Science-Research-Paper vor.“
„Wählen Sie ein Thema, das Sie über viele Jahre hinweg motiviert. Sorgen Sie dafür, dass Beruf und Forschung sich gegenseitig ergänzen. Unterschätzen Sie die Bedeutung Ihres persönlichen Umfelds nicht. Und suchen Sie eine Betreuung, die sowohl fachlich überzeugt als auch verlässlich begleitet. Diese Kombination ist entscheidend für den Erfolg eines Doktoratsstudiums.“